Reiten im Damensattel

Diese Art des Reitens – früher für die Dame aus sittlichen und moralischen Gründen die einzig mögliche Art – ist heute leider etwas in Vergessenheit geraten.
Seit der Gründung der Interessengemeinschaft zur Förderung des Reitens im Damensattel in Österreich 1997 hat sich einiges getan: Einerseits wurden von der IG eine große Zahl von  Aufführungen und Schaubewerben organisiert, andererseits ist es auch gelungen, das Reiten im Damensattel als Turniersparte zu etablieren. Weiters wurde der „Lehrwart Damensattel“  (FENA) ins Leben gerufen, und sehr erfolgreich angenommen.

Referentin: Mag. Daniela Kabele

www.damensattel.at

 

Historisches
In der Antike wurde der Begriff Mode erstmals durch die Oberhoheit der Römer geprägt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die einzelnen Nationalitäten ihre eigene Kleidung. Die Reitkunst im Damensattel bestand bereits zur Zeit Eponas. Epona war eine keltische, von den Römern übernommene Göttin der Pferde, Esel und Maultiere. Sie wurde meist im Seitsitz dargestellt. Die Kleidung der Göttin entsprach dem damaligen Alltagsgewand.

Mit dem Beginn der Kreuzzüge und dem daraus folgendem Kennenlernen der anderen Völker und deren Kultur entwickelte sich eine "Modetracht " die schon damals von Frankreich geprägt war. In den einzelnen Perioden der Mode hatte aber jedes Land seinen Einfluss, wie die spanische, burgundische oder flandrische Tracht. Zu diesem Zeitpunkt saßen die Damen im Seitsitz zu Pferd und wurden meist geführt. ihre Füße konnte die Dame auf der so genannten Planchette, einem Brett das meist auf der linken Seite am Sattel befestigt war, abstützen.

Im 15.Jahrhundert übernahm die Dame bei offiziellen Anlässen und öffentlichen Repräsentationen die Vorreiterrolle im Damensattel. Die Falkenjagd, welche aus dem arabischen Raum durch die Kreuzzüge in unsere Breiten gebracht wurde, erfreute sich größter Beliebtheit. Damen der höfischen Gesellschaft, wie zum Beispiel Maria Herzogin von Burgund, hatten das Privileg, an den Jagden teilzunehmen. Sie ritten im Damensattel und führten den Falken in der linken Hand.

Im 16. Jahrhundert war die französische Königin, Katharina von Medici, Ausschlag gebend für die Weiterentwicklung des Damensattels und damit auch für die Reitmode. Die Kleidung der Damen, im speziellen die Oberkleidung wird von der Mode der Herren abgewandelt. Der Chlamys ist ein knielanger, als Mantel getragener Umhang. Durch die neue Reitweise bot der meist flatternde Rock keinen Schutz mehr, daher führte sie eine knielange, samtene meist aus Wildleder gearbeitete Unterhose ein, um die Beine zu bedecken. Im Laufe der Jahre kristallisierte sich immer mehr heraus, dass die Damen bei Jagden und repräsentativen Zwecken im Seitsitz ritten, bei langen Reisen aber den Herrensattel oder die Kutsche bevorzugten. "Also wird sich hier nicht unschicklich noch anbey fügen lassen wie auch eine Dame hohen Standes im reuten zu unterrichten seye, dass sie sich nicht allen manierlich zu Pferde sitze, sondern auch ohne alle Leibes Gefahr ein Pferd so wohl auf der Manege spazieren als mit der Gesellschaft über Land, auf die Jagd Reiher Beitze und dergleichen Orten hin reiten könne. "

"Eine solche vornehme Dame wird auch von selbsten in der Kleidung sich zu choifiren wissen, wie es bey Höffen Mode und der Brauch zu Pferd ist. Ein grün oder ander Färbiges chamerirtes Jagd Kleid, in Form eines Pollnischen Beitzes, mit engen Ermeln, wird nicht undienlich seyn. Ein Hals-Tuch, einen einpordirten Hut mit Federn, nebst einer Peruque oder ihr eigenes haar in einem Zopf oder Haar-Beutel eingemacht. Vor allem aber soll die Dame sich der Bein-Kleider bedienen, welche von Gems-Fellen, Sammet Atlas oder sonsten von linden Seiten-Zeug gemacht syen mögen, welche unter den Knie gebunden werden, darneben linde Gembs oder Bock lederne Stieffelgen ohne Sporn, wo wie Strümpfe anliegen, und über oder unter denen Knie geschnallet werden können. Weiße oder gelbe Reit Handschuhe und was sie dergleichen mehr zu Pferd bedürftig ist. "

Auch Kaiserin Maria Theresia war eine begeisterte Reiterin im Damensattel. Trotz ihrer sechzehn Kinder nahm Maria Theresia an Jagden, Präsentationsritten und Caroussellen teil. Sie bevorzugte den Damensattel, obwohl die Möglichkeit, im Herrensattel zu reiten vom Hof akzeptiert wurde.

Im Biedermeier änderte sich der Lebensstil. Das bürgerliche Leben im Kreise der Familie wurde zum Mittelpunkt, dem entsprechend passte sich auch der Stil der Kleidung an. Die Rückkehr zum Korsett und damit zur engen Taille prägte diese Epoche, wie auch Kleinigkeiten und Verspieltheit in der Ausstattung der Kleider bei eher schlichten Stoffen. Die Zeit der großen Feste und Repräsentationen ging dem Ende zu, das Zur-Schau-Stellen der Macht anhand von prunkvollen Ausstattungen war vorbei. In dieser Epoche entwickelten sich langsam eine eigene Reitkleidungen für Damen. Der Zeit entsprechend waren diese schlicht gehalten.

Die Dame trug zum Reiten immer ein Korsett, darüber eine weiße Lingeriebluse oder eine Jacke mit kleinen Frackschößchen. Der Rock entsprach der Zeit und dessen Erfordernissen entsprechend reichte der Rock auf der linken Seite bis zum Sporen, auf der rechten hingegen war er länger und wurde zum Gehen auf gleiche Länge hochgeknöpft. Darunter wurden ein langes Beinkleid getragen und Schnürstiefeletten mit niedrigen Absätzen.

Eine weitere Möglichkeit der Kleidung der Dame im Damensattel ist die Uniform. Damen des regierenden Hauses waren meist Inhaberinnen eines Regimentes. Die Reitjacke entsprach dem Stil der Armee und hatte die passenden Dekorationen des betreffenden Regiments. Der Reitrock war dem Oberteil angeglichen.

Im 19.Jahrhundert prägte Kaiserin Elisabeth die Mode im Damensattel. Nachdem die Kaiserin an den englischen und irischen Jagden teilnahm, hat sie sich dem Stil der britischen Inseln angepasst. Dazu kommt das extreme Schlankheitsbewusstsein der Kaiserin, welches sich in der Farbe schwarz niederschlug. In den jungen Jahren, zum Beispiel in den Sommermonaten am Starhemberger See, trug die Prinzessin grüne Reitkostüme. Die Farbe schwarz war zum einen ein Zeichen der Todessehnsucht der Kaiserin und zum anderen diente sie zur Unterstützung des Schlankheitskultes in den späteren Jahren.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges fiel das Reiten im Damensattel in einen Dornröschenschlaf. Erst nach dem 2. Weltkrieg, mit dem Beginn der neu entstehenden Filmbranche gab es einzelne Reiterinnen, die sich im Damensattel präsentierten. In dieser Zeit findet man auch die wahre Reiterin im Damensattel, die im Hintergrund ihrem Hobby frönte.

Das Interesse am Damensattel nimmt seit einigen Jahren wieder zu. Heute gibt es bezüglich der Bekleidung der Reiterin im Damensattel verschiedene Strömungen: zum einen das Showkostüm, das original historische Kostüm und das Turnierkostüm. Beim Showkostüm ist fast alles erlaubt, was beim Publikum ankommt und gefällt. Der Bereich historische Kostüme ist bei uns in Österreich vernachlässigt. In England tragen die Damen nach Originalschnitten Kleider, bei denen auch die Authentizität überprüft wird. Ein Reißverschluss darf zum Beispiel nicht verwendet werden. Die Art der Kostüme passt sich natürlich auch dem Reitstil an, ob klassisch, western oder spanisch. Ab dem Jahr 2002 wurde in der ÖTO die österreichische Variante eines Turnier-Kostümes bewilligt. Dieses Kostüm wurde nach englischem Vorbild den österreichischen Bedingungen angepasst.